458 Geschichte der christlichen Religion.
sucht, bey einer ordentlichen Anklage aber doch entwe-der zum Abfalle gezwungen oder gestraft werden soll-ten. Unter dem Trajan wurde Simeon, der Bischof,in Jerusalem, einer von den letzten Nachkommen Da-vids , gekreuziget, Jgnatius aber, ein Jünger derApostel und Bischof von Antiochien, in Rom auf demöffentlichen Schauplätze den Thieren vorgeworfen, undvon den Löwen bis auf die stärksten Knochen aufge-zehret. Die Verfolgung dauerte so lange als Trajan lebte; sie war an einigen Orten stärker, an andernschwächer, nachdem die verschieden heidnischen Obrig-keiten mehr oder weniger feindselig gegen die Christengestnnet waren.
O?'s/. os. Die Verfolgung erneuerte sich unter der Regie-/4mm./.-5. rung des Hadrianus, eines Fürstens, der noch abcr-I^nv yläubischer, als Trajan war. Es gab keine Zauber-^ > M,st^ keine Zeichcndeutungen, keine fremden Göt-terdienstc, die nicht seine Bewunderung erhielten.Und was verabscheuecen die Christen mehr, als alleArt des Aberglaubens ? Er vergötterte einen Anti-nous, der sich als ein Opfer für ihn in den Nil ge-stürzt hatte, sein Leben zu verlängern. Die Empö-rungen der Jüden wider die Römer und die Lasterder gNostischen Secten trugen nicht wenig dazu bey,den Haß der Heiden gegen die Christen zu unterhal-ten. Denn man vermengte die Jüden und die Gno-stickcr mit den Christen, und diese mußten die Schuldfremder Verbrechen tragen. Celsus , der berühmtesteWidersacher des Christenthums, welcher unter diesemKaiser wider dasselbe schrieb, kannte keine andern Chri-sten , als die Gnosticker. Mai, sieht solches deutlichaus den Ueberbleibseln seiner Schrift, die vom Ori-genes in seiner Widerlegung aufbehalten worden sind.
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