Zweyter Abschnitt. 457
sie noch keine Zeit übrig hatten, die ruhmvollen Schick,sale eines jeden Bekennerö Jesu Christi schriftlichaufzuzeichnen.
So heftig diese Verfolgung war, so kurz war,ihre Dauer. Nerva , einMaiser von einem löblichenCharakter, Domirians Nachfolger, hob so gar die widerdie Christen gegebenen Befehle auf. Allein es warnur eine Stille, welche einen neuen Sturm verkün-digte. Trajan , den seine sonst gütige und gelinde Regie- HA.-^ning so berühmt gemacht hat, daß selbst sein Name ^^j^ -zu einem Lobspruchc geworden ist, verdunkelte diesenRuhm durch die Verfolgung der Christen. Er suchteseine Ehre darinnen, daß er abergläubischer war als -"F, ?'»seine Vorfahren, und auf das strengste über dieBeobachtung aller römischen Gesetze hielte. Unterdiesen Gesehen aber war eines, daß in den römischenGebieten kein neuer Gottesdienst, ohne die Bewilli-gung des römischen Senates, eingeführet werden sollte.Er schrieb seine Siege den römischen Göttern zu,und in der Meynung, sich ihren fernern Beystand zuverdienen, haßte er alle Neuerungen, die ihremDienste nachtheilig seyn konnten. Hierzu kam, daß /^,.er alle geschlossene Gesellschaften bey dem Antritte seinerRegierung untersagt hatte. Die Christen breiteten sichimmer weiter aus ; die Priester der Götzen verlorendabey und klagten, und veranlasseten Empörungen desgemeinen Volks. Darf man sich wundern, wenn dieChristen ber» solchen Umstanden, und unter einem Kai-ser von diesem Charakter, verfolgt wurden? Beson-ders wüthete die Verfolgung in Syrien . Das Zeug-niß, welches Plinius , der Jüngere, ein Heide, fürdie Unschuld der Christen ablegte, wirkte die Verord-nung Trajans, daß dieselben nicht gerichtlich aufge-
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