Zweyter Abschnitt.
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heimlichen Christen aufzusuchen und zu entdecken. AlsCvnftantin, der hernach der Große genannt wurde,zur Regierung in Gallien ^ gelangete: so erholeten sichzwar unter ihm und dem Marentius die Christen ei-nigermaßen. Allein lob gleich Galerius selbst, derheftigste Feind der Christen, als er tödtlich krank wur-de , die Verfolgung durch einen feyerlichen Befehlaufhob: so fuhr doch Marimin immer fort, sie zudrücken, bis er endlich vom Constantin gezwungenwurde, der Kirche den Frieden wieder zu geben.Dieser Friede aber wurde nicht eher völlig hergestellet,bis Constantin die Regierung allein erhielte und selbstden christlichen Glauben annahm.
Man wird sich nicht wundern, wenn eine so grau-same und so lange anhaltende Verfolgung, viele Chri-sten zum Abfalle, und andere zur Verzweiflung verlei-tete. Viele stürzten sich wirklich von ihren Häusernherab , andere warfen sich selbst in die Scheiterhau-fen. Man kann es nicht billigen, wenn sich viele frey-willig zum Märtyrcrthume angaben und die Verfol-ger trotzetcn. Auch ist es nicht unglaublich , daß sichviele unter die Märtyrer einschlichen, die Schuldenoder anderer Ausschweifungen wegen , welche sie mitdem Märtyrerrode zu büßen hofften, ein Leben auf-opferten, dessen sie schon überdrüßig waren. Dasbeweist nur, daß es viele Handlungen gebe, die denSchein der Tugend haben können, und doch im Grun-de nicht allezeit große und tugendhafte Handlungensind.
Dieses ist eine kurze, aber eine zuverläßige Be-schreibung der großen Verfolgungen, welche die Chri-sten der drey ersten Jahrhunderte ausgestanden ha-ben. Es ist alles, was nicht zuverläßig genug ist,
daraus