Zweyter Abschnitt. 489
ner finden können, die wahnwitzig genug gewesen wa-ren, für Begebenheiten zu sterben, die nie geschehenwaren? Das gerechteste, leichteste, und kräftigsteMittel, die Christen zum Abfalle von ihrem Glaubenzu nöthigen, ohne das Blut eines einigen Unterthanenzu vergießen, nämlich eine ordentliche und strenge Un-tersuchung ihrer Religion, und besonders der Bege-benheiten , auf welche sie gegründet war, wurde nichtgebraucht. Woher kam diese Ungerechtigkeit ? Kamsie nicht daher, daß die Wahrheit des christlichenGlaubens so offenbar erwiesen war, daß sie selbst einegerichtliche Untersuchung nickt mehr erweisen konnte?Die Christen starben also für gewisse und unstreitigeBegebenheiten. Allein diese außerordentliche undungewöhnliche Stcmdhaftigkeit beweiset zugleich dieübernatürliche Kraft der Wahrheiten, für welche sienicht allein alle irdische Vortheile aufopferten, son-dern selbst ihr Blut mit Freuden vergossen. Wennhat die Religion vor dem Christenthums solche uner-schrockene und so unzählbare Märtyrer gefunden?Der Beweis, der von dem Tode der Märtyrer fürdie Religion hergenommen werden kann, könnte ver-dächtig seyn, wenn er nicht alle Charaktere hätte, dieman von einem Zeugenbeweise fordern kann. DerBlutzeugen ist eine so große Anzahl; man findetMärtyrer nicht in einem, sondern in drey Jahrhun-derten ; Märtyrer an so vielen Orten, und fast inallen damals bekannten Weltgegenden; Märtyreraus so verschiedenen Ständen, von so verschiedenenAltern, Charakteren und Lebensarten; Greise, Jüng-linge, Jungfrauen, Männer, Kinder, Vornehmeund Geringe, Ungelehrte und Gelehrte, Manner ,die nicht fähig waren, tiefsinnige Untersuchungen an-
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