49« Geschichte der christlichen Religion.
zustellen, aber auch Männer, welche den größten undschönsten Geistern nicht weichen. Es ist vielleicht nichtunmöglich, daß einige Menschen gewisse Verbindun-gen mit einander eingehen, welche sie selbst mit ihremBlute zu behaupten und auszuführen suchen. Alleinsie müssen entweder ein boshaftes Herz, oder einenkranken lind wahnwitzigen Verstand besitzen. DerLasterhafte stirbt gewiß nicht für die Tugend, denn erhasset, sie; der Wahnwitzige stirbt gewiß nicht für dieWahrheit, denn er kennet sie nicht. Alle Märtyreraber starben theils für die Tugend, theils für die Wahr-heit ; diese lehren sie, und jene üben sie aus. Es hatunter den Christen Lasterhafte gegeben; ihre Geschicht-schreiber leugnen solches nicht, sondern führen vielmehrdie bittersten Klagen darüber. Allein diese Schein-christen sterben entweder nicht, oder werden zu einerZeit besser, da die Heiden sie durch Martern zu einemAberglauben zwingen wollen, der sie zu einem laster-haften Leben berechtige-. Alle Martern und Strafenhaben sonst den Endzweck, entweder den, welchen sietreffen, oder andere die es sehen, zu bessern, und siesind nicht ganz fruchtlos, so ungeneigt die Menschenauch zur Tugend sind ; hier haben die Martern undStrafen den Endzweck, lasterhaft zu machen, unddieser Endzweck wird bey den wenigsten erhalten, so ger-ne die Menschen von Natur freywillig und ohne An-trieb sundigen. Es giebt Missethater, welche mit einererstaunlichen Standhaftigkeit alle Foltern aushalten.Allein warum halten sie dieselben nicht in der Absichtaus, längern Marter:? und dem Tode zu entfliehen?Die wahren Märtyrer hingegen wissen, daß sie mitder größten Standhaftigkeit nichts gewinnen, sondernVielmehr verlieren, und dennoch achten sie weder Mar-tern