Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
491
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Zweyter Abschnitt. 491

tern noch Tod. Die Wahrheiten der Religion müs-sen also nothwendig eine übernatürliche und göttlicheKraft haben, welche die Menschen, so sich ihr über-lassen, zu Entschlüssen und Handlungen bewegen kann,die wider den taglichen Lauf der Natur sind, und al-len andern Menschen widersinnisch und ungereimt zuseyn scheinen. Was für ein Beweis fehlte der Reli-gion, wenn Gott die Verfolgungen der Christen nichtzugelassen hatte! Die Religion hat zwar in den Au-gen solcher Menschen, die unparteyisch und mit einemlehrbegierigen Herzen über sie nachdenken, so vieleGründe, daß sie einen Beweis entbehren kann, ohnein ihren Augen dadurch ungegründeter zu werden.Allein dieser Beweis überzeuget nicht allein, sondernerfreuet auch und ermuntert zur Nachfolge Es wür-de uns also mit diesem Beweise viel Freudigkeit undTrost fehlen. Wer kann einen solchen Verlust er-tragen ?

Geseht aber auch, daß gegen diesen Nutzen derheidnischen Verfolgungcn wider die Christen solche Ein-wendungen gemacht werden könnten, welche die Reli-gion wenig dabey gewinnen ließen : so hatten sie dochnoch einen Nutzen für sie, der ganz unleugbar, und ebendeswegen desto wichtiger ist. Man hat lange vordem Christenthums gesagt, daß überhaupt alle Reli-gion nicht allein von Menschen erfunden, sondern auchdurch die Gewalt der Obrigkeit und die Betrügereycnder Priester eingeführet worden wäre. Dieser Vor-wurf ist von allen heidnischen Religionen wahr. Diejüdische Religion kömmt zwar von Gott her; dennochhat seine Weisheit zuweilen für gut gefunden, die-den durch eine gewisse Art des Zwanges, nämlichdurch den Verlust ihrer irdischen bürgerlichen Glück-seligkeit