Zweyter Abschnitt. 495
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Von
der Ehrfurcht der ersten Kirche ge»
gen die Märtyrer, die Heiligen, ihreGebeine, Reliquien, und Bildnisse.
s ist, wie wir gesehen haben, eine ausgemachteSache, daß die christliche Religion der Stand-haftigkeit ihrer Märlyrer nicht wenig zu danken habe.Ihr Muth, sie selbst unter der Empfindung der grau-samsten Martern und eines schmachvollen Todes zu be-kennen, dienete, wie schon gezeiget worden ist, zueinem Beweise ihrer Wahrheit und Göttlichkeit.Diese Standhaftigkeit äußerten nicht allein die Gelehr-ten , sondern die gemeinsten Christen. So sehr auchdie Märtyrer von den Gläubigen geehret und bewun-dert wurden : so wenig konnte doch der Ehrgeiz dieUrsache dieser Standhaftigkeit seyn. Denn die An-zahl derer, welche die Wahrheit der Religion, mitder Ausopferung ihres Lebens versiegelten, war all-zugroß, als daß sie einer Leidenschaft zugeschriebenwerden könnte, die nur selten bey Personen von einerniedrigen Lebensart und Erziehung gefunden wird, undnur wenige antreibt, große und außerordentliche Ent-schlüsse zti fassen und auszuführen. Und was kannwohl für ein Entschluß schwerer zu fassen und auszu-führen seyn, als der Vorsatz, für die Wahrheit ge-wisser Begebenheiten und Lehren zu sterben ?- DieFurcht vor dem Tode und die Liebe zum Leben sind sogewaltige Leidenschaften, daß sie ordentlicher Weisealle andere Bewegungen der Seele verschlingen. Die
Gnade