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Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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494 Geschichte der christlichen Religion.

Gnade allein kann ihnen stärkere Begierden entgegen-sehen, und dieselben auch auf der Folter und unterden Händen der Henker erhalten.

Unterdessen verdiente die Tugend der Märtyrerdie Bewunderung der Gläubigen, ob sie gleich aus vielerhabnere,, Ursachen entspringen mußte, als aus derBegierde, etwas verdienstliches zu thun. Man muß-te keinen Geschmack am Guten haben, wenn maneinen Menschen, den man für die Wahrheit bis aufsBlut kämpfeil sieht, nicht mit denen ihm gebührendenHobsprüchen krönen wollte. Der Lohn für so viele Tu-gend ist immer zu geringe für sie. Die Schauplätzein Rom und Griechenland jauchzten ihren Kämpfernzu, wenn sie alle ihre Kräfte verschwendeten, einenunnützen Preis davon zu tragen. Was könnte denngerechter seyn, als die Hochachtung der ersten Chri-sten für die Blutzeugen ihres Erlösers! Ein Terml--lian hatte Recht zu sagen, daß ein leidender Christso wohl im Angesichtc Gottes, als in den Augen derMenschen ein herrliches Schauspiel wäre^ Nur isthiebey zu beklagen, daß in den folgenden Jahrhunder-ten diese Hochachtung gegen die Märtyrer, und über-Haupt gegen alle Heiligen, und selbst gegen ihre Re-liquien und Bildnisse übertrieben, und in Aberglaubenverwandelt wurde. Dcher ist es in einer Geschichteder Religion eine nöthige und zugleich lehrreiche Be-trachtung, welche uns die wahren Gesinnungen der er-sten Kirche gegen die Märtyrer abbildet, und unsdie Wege abzeichnet, auf welchen die Christen biszur gctteödienstlichen Verehrung derselben geführetworden sind.

In den apostolischen Zeiten der Kirche machte dasMartyrerthum allein keinen Christen heiliger und ehr-würdiger,