Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
503
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Zweyter Abschnitt. 505

Apostel und Märtyrer; man machte sich ihre Lehrenzu nutze, so lange sie lebten; man erinnerte sich ihrervoll Hochachtung und Dankbarkeit nach ihrem Tode;man bestrebte sich ihren Beyspielen nachzufolgen:aber man glaubte nicht, daß der Märtyrertod dieGebeine und Asche und andere Reliquien der Heiligen,heiliger und kräftiger machte, als die Gebeine andererfrommen Christen. Alle Ehre, die man ihren Leich-namen erwies, bestund in einem anständigen Begräb-nisse. Wenn man diese letzte Pflicht an ihnen erfüllethatte: so ließ man sie ruhen. Man störte ihre Aschenicht, und grub ihre Gebeine nicht aus, so wenig,als man sie selbst anrief oder abergläubisch verehrte.Die Christen dursten sich dessen auch nicht unterfan-gen ; denn die römischen Gesetze bestraften es als einschweres Verbrechen, wenn jemand die Asche der Ver-storbenen beunruhigte, oder ihre Gräber öffnete.

Diese edle Einfalt in den Gesinnungeil und demL«/5ö./.Bezeigen der Gläubigen gegen die Märtyrer, dauer-^-^-tc noch zu den Zeiten des polycarpus, eines Schü- .lers der Apostel und Bischofes von Smyrna fort.Er wurde auf einen Scheiterhaufen gesetzet, und weilihn die Flammen nicht todten wollten, von dem Hm-kcr durchstochen. Die Hochachtung und Ehrfurcht,in welche er sich bey allen Christen gesetzet hatte,brachte die Heiden und Iüden auf die Gedanken, daßdie Gläubigen, wenn sie seinen Leichnam besaßen,nicht mehr den Gekreuzigten, sondern ihn göttlich ver-ehrn würden. Die Kirche von Smyrna crklärecediese Einbildung für eine Thorheit.Sie sind Tho-ren, sagte sie, und wissen nicht, daßwir Chnstum,der für alle, so aus dem menschlichen Geschlechteselig werden sollen, den Tod ausgestanden hat, nicht

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