5^4 Geschichte der christlichen Religion.
„verleugnen, und keimn andern als ihn verehren kön-„uen. Ihn bethen wir, als den Sohn Gottes an,„die Märtyrer aber lieben wir, wie sichs geziemet,„als seine Jünger und Nachfolger, wegen ihrer aus-„serordentlichen Ergebenheit gegen ihren König und„Lehrer, und wir wünschen, ihre Mitgenossen und„Mitschüler zu werden... Diese Liebe geg-n den Po-lycarpus bezeugten sie zuerst dadurch , daß sie seineGebeine sammleten, die ihnen kostbarer als Edclge-steine, und theurer, als Go>ld waren, und diese be-gruben sie hierauf an einem anständigen Orte. Fer-ner beschlossen sie, den Geburrstug seines Marty-rerthums, wenn sie könnten, mit Fröhlichkeit zu fey-ern, theils zum Andenken derer, welche in diesemKampfe redlich ausgehalten hatten, theils zum Un-terrichte und der Vekrafriguncl der Nachkom-men durch dieses Beyspiel. Es war also zu derZeit schon unter den Christen der Gebrauch eingefüh-ret , das Andenken der Märtyrer jährlich auf einefeyerliche Art in ihren gottesdienstlichen Verst.mmlun-gen zu erncuren. Unterdessin findet man noch in die-sen Zeiten keine Nachricht, daß man Lobreden auf siegehalten, oder ihnen eine gottcödienstliche Ehre er-wiesen hätte.
Je zahlreicher die Märtyrer wurden, je mehr sichfalsche Meinungen aus der gnostischen und neuernplatonischen Philosophie in den Glauben der Christeneinschlichen, je fester man sich überredete, daß dieEhre der Religion von dem Märtyrertode abhienge,desto übertriebner wurden auch die Gesinnungen derHochachtung unter den Christen, theils gegen dc>6Märtyrerthum, theils gegen die Märtyrer selbst.Man ertheilte ihnen so große Vorzüge, daß gegen
das