Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
507
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Zweyter Abschnitt. 507

ordentlichen Taufe nur die Vergebung der Sündenempfängt: so werden durch die Bluttaufe unsereTugenden gekrönet. Darum muß man sie annehmen,und Gott mit unserm Gebethe eifrig anrufen, daß eruns derselben würdigen möge. Was für Irrthümerkönnten nickt aus diesen hyperbolischen Lobeserhebun-gen des Märtyrerthumes gefolgert werden ! Wenndie Bluttaufe reicher an Gnade, als die Wassertau-fe ist : so muß das Blut der Heiligen kostbarer, alsdas Blut seyn, das uns in der Taufe zugeeignet wird.Unter den Leiden für die Religion wird das Blut einesMenschen vergossen ; allein in der Taufe empfängtman das Blut eines Erlösers, der Gott ist. Wiekann man doch sagen , daß die Bluttaufe kostbarer,als die Wassertaufe sey? das Blut Jesu Christi rei-niget uns in der Taufe von allen Sünden; das Bluteines Menschen, und wenn es tausendmal für dieEhre Gottes vergossen wird, kann auch nicht für denleichtesten Fehler büßen. Allein Cyprian hatte dieAbsicht, die Schrecken des Märtyrertodes zu verber-gen ; darum machte er eine so kräftige Taufe daraus,und sehte eine figürliche Taufe noch über, die wahre.Man muß zwar dem Cyprian nicht alle Folgen fei-ner Ausdrücke zurechnen; der Redner vergrößert al-les , waö er unter seinen Handen hat; er läßt sich vonseiner Beredsamkeit über die Gränzen, die die Ver-nunft vorschreibt, hinausführen. Man sieht keinenandern Gegenstand, als den, womit man beschädi-get ist, und iudem man nicht auf andere merket, soschleichen sich irrige Ausdrücke ein, über die man er-röthcn würde, wenn man sie mit einem kalten Bluteuntersuchete. So entschuldiget die Billigkeit denCyprian . Allein >H er gleich nicht des Irrthums -

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