5v8 Geschichte der christlichen Religion.
angeklaget werden kann, daß er das Blut und.diegenugthuende Kraft des Verdienstes Jesu Christi hät-te erniedrigen wollen: so ist doch sehr wahrscheinlich,daß ein anderer damals gewöhnlicher Irrthum dieseübertriebenen Lobsprüche des MärtyrerthumeS geboh-ren habe. Man sieht deutlich, daß Cyprian demTode, welchen man für die Religion leidet, ein vor-zügliches Lob beylegen will. In so fern die angeführ-ten Lobsprüche wahr sind: so gehören sie dem Todeeines jeden wahren Glaubigen. Man mag sterben,wie man will, wenn man nur im Glauben stirbt:so freuet sich Gott und Christus darüber; man sündi-get auch alsdann nicht mehr; man wird alsdann auchvollkommen; man vereiniget sich mit Gott, weil manim Tode die Welt verläßt. Allein das war es eben,was man zu Cyprians Zeiten und lange vorher nichtglaubete. Man hatte aus der neuern platonischenPhilosophie den Irrthum angenommen, daß im To-de nicht alle Menschen so gleich mit Gott vereinigetwürden, sondern bloß die Vollkommensten, die, so diegrößte Verachtung gegen ihren Körper ausgeübet hat-ten ; alle andere müßten erst noch eine gewisse Reini-gung aushalten. Cerrullian nahm an, daß dieMärtyrer sogleich zum Besitze der Seligkeit gelange-ten, da die andern Gerechten an einem angenehmenOrte, wie sich Justinuo ausdrücket, bis auf denTag des letzten Gerichtes warten müßten, ehe sie zumGenusse der ewigen Freude zugelassen würden. DieMärtyrer eiieten so gleich nach ihrem Tode in denHimmel; darunter verstundeil die Väter die voll-
/«/?.»'» kommenste Seligkeit; die andern Gläubigen aber ka-5. men nur in das Paradies, unter welchem sie einen
2>^. mittleren Zustand zwischen dem gegenwärtigen Leben
und