Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
509
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Zweyter Abschnitt, 509

und der ewigen Seligkeit verstanden. Welch einenVorzug hatten nunmehr nicht die Märtyrer vor an-dern Christen! Diese Lobsprüche mußten den damali-gen Glaubigen nothwendig eine tiefe Ehrfurcht gegendie Märtyrer beybringen. Sie äußerte sich auch aufeine außerordentliche Art, theils schon bey ihren Leb-zeiten , wenn sie im Gefängnisse lagen, theils nachihrem Tode. Diejenigen, welche um der Religionwillen verfolget und gemartert worden waren, ohneden Tod zu leiden, hießen Vekenner, die andernaber, welche die letzte Stufe der Leiden für die Reli-- ^gion betreten hatten, und hingerichtet worden waren,im eigentlichen und vorzüglichen Verstände Märty-rer.

Wenn ein Christ seines Glaubens wegen ins Ge-fängniß geleget wurde, so bestrebten sich alle Christenaufs eifrigste, Geistliche, Vornehme, Geringe,Weiber und Kinder, ihm Speise zu bringen und ihmseine Ketten zu erleichtern. Man sich die Thüren derGefängnisse stets von Gläubigen belagert. Ein ge-wisser Betrüger, peregrin, der sich für einen Chri-sten ausgab, wurde ins Gefängniß geworfen. DerEifer war unglaublich, mit welchem ihm die Christenbeystanden. Die Kirchen in Asien schickten Abgeord-nete an ihn, ihn zu trösten, und ihm alle Hülfe an-zubiethen. Lucian von Gamosara spottete darüber, ^»c/-?«.aber er mußte doch mit seinen Spöttereyen selbst einZeugniß von der Liebe der Christen, gegen die Mär- ^ -tyrer ablegen. Man sendete ihm von allen Sei-ten Geld; man kann sich nicht vorstellen, wieeifrig das geschieht, wenn das Volk erfahrt,daß ein Christ leider. Cyprian mußte diese Dienst- c>/>?fertigkeit zurückzuhalten suchen, so groß war sie. Die s-

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