Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
511
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Zweyter Abschnitt. 511

che die Kirchenstrafen erleichtert wissen , und gernfrüher, als es gewöhnlich war, zur Gemeinschaft mitden Gläubigen zugelassen seyn wollten , bewarben sichum die Fürsprache der Bekenner. Sie ließen sich ge-winnen, und ihr Fürwort wurde von den Bischöfenangenommen. Man weis schon, wie sehr einige N'^.e/'.-/,Märtyrer diese Ehre, die ihnen zugestanden wurde,misbrauchten, und was der Stolz den sie bey dieserGelegenheit äußerten, für einen schädlichen Streit ^^-Min der Kirche veranlasset«?. Orictenes eignete ihnen von denausdrücklich die Gewalt zu, die Vergebung der Sün- Jrrthü-den zu ertheilen, und machte sie also den Priestern »iern, diegleich, welche sich diese Gewalt zuschrieben. Wenn d>e Stre,-also die Märtyrer auf gewisse eingebildete Rechte ei- ^'AA Afersüchtig waren, und, wie die Bischöfe glaubten, ei- Recht-nen Einfall in ein fremdes Gebiet thaten: so konnten gläubigensie sich nicht sehr beklagen. Die übertriebnen Lobsprü-- ve:anlassetche, welche die Kirchenlehrer demMärtyrerthume ga- b^tM'ben, waren schuld daran.

Man fand daher eine besondere Glückseligkeit darin-nen, wenn man mit den Märtyrern in Gemein-schaft stand. Man ersuchte sie um ihr Geberh. Die-ses Verlangen war christlich; denn alle Christen sindverbunden, für einander bethen. Allein dieses Ver»langen kam nicht aus einer Begierde her , diese apo-stolische Vorschrift zu erfüllen, sondern war in derMeynung gegründet, daß die Märtyrer ein vorzüg-liches Ansehen bey Gott Härten. Cyprtan sagte aus-drücklich, daß ein Gebeth, welches unter Martern zu e/^^ 76^Gott abgeschicket werde, weit kräftiger sey, und Gotteher bewegen könne, als ein anderes.

Die Hochachtung der Christen gegen die Märtyrerhatte sich also schon im zweyten und dritten Jahrhun-derte,