52O Geschichte der christlichen Religion.
man gesehen hatte, daß die Christen die JungfrauMaria in dem Bildnisse eines schonen Frauenzim-mers, und die Heiligen mit Stralen um ihre Haupteranbethcten, daß sie ihre Bildnisse auf die Altare zuröffentlichen Verehrung ausseßeten, daß man ihnenräucherte, daß man vor ihnen niederfiel, und dieSterbenden das Crucifir und andere geheiligten Bild-,nisse küssen ließ. Wenn die Bilderverehrung ein we-sentliches Stück der christlichen Religion ist: so konn-te sie nicht leichter und schneller ausgebreitet werden,als wenn die Christen wiesen, daß sie auch Bildnissehätten. Da die Menschen so sehr für sinnliche Ge-genstände der Anbethung eingenommen sind : so wür-den sie sich leicht haben bewegen lassen, einen mit demandern zu vertauschen.
Die ersten Christen konnten den Heiden keilte sinn-lichen Gegenstände des Gottesdienstes zeigen. Siespotteten vielmehr über die Götzenbilder auf eine solcheArt, welche überhaupt alle Bilderverehrung als lacher-lich und ungereimt vorstellet. Sie spotteten über dieEinfalt des großen Haufens, der sich von der angeneh-men Gestalt blenden ließ, die man dem Golde, oderdem Silber gab. Die Geschicklichkeic der Rünst-M»./e/. ler bekriegt die Unverständigen, sagte Min«tius^, 0c?. Felix, der Glanz des Goldes und die feine Ar-beit im Silber blendet sie; die tVeiße des El-fenbeins bringt sie zum Erstaunen. Hattendie Christen Bildnisse, denen sie eine gottesdienstlicheEhre erwiesen: so traf auch sie dieser Vorwurf. Manspottete über die Götzenbilder wegsn der Zufälle, diesie betreffen können. Sie sagten, daß man sich nichtverwundern dürfte, wenn sie keine Bildnisse anbethe-ten, die so todt waren, daß sich auch die Motten, die
Ratten,