Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
529
Einzelbild herunterladen
 

Zweyter Abschnitt. 529

bergchen konnte. Die Kirche wäre also niemals da»rauf gefallen, den VModenms für einen Bekennerzu halten, und vom Gamaliel und seinem Sohne Abi-baS etwas zu wissen, wenn es nicht nach den Trau-men eines hierosolymitanischen Presbyters, der imfünften Jahrhunderte lebte, den Gamalicl verdrossenhätte, seinen Leichnam und die Leiber des Srephanus,des Nikodemuö, und seines Sohnes, des Abibas,von der gotteödienstlichen Verehrung des christlichenVolkes ausgeschlossen zu sehen, und damit erdicse Ehreerhalten möchte, diesem Presbyter, Lucianus, erschienenwäre, in der Absicht, den Ort ihres Begräbnissesbekannt zu machen. Man weis, daß die Cleriscy indem Jahrhunderte, in welchem Gamaliel erschienenseyn soll, die Pracht in ihrer Kleidung liebte. Die-ser vorgegebene Heilige richtete sich nachdem Geschma-cke dieser Zeit. Er erschien, als ein Greis; sein Haarwar weiß ; er hatte einen langen Bart; er hatte eineansehnliche Leibesgröße und einsehr ehrwürdiges Ge-sicht ; er war in ein weißes mit goldenen Knöpfen bcseß--ttö Gewand gekleidet, in welchem Kreuze cingegrabenwaren; seine Schuhe waren gleichfalls mit Golde reichbesetzt, und in seiner Hand trug er einen goldenen Stab.Man sollte sich nicht einbilden, daß die Heiligen desParadieses so viel auf Pracht hielten. Doch diese Er-scheinung war noch menschlich. Allein, er erschien auchunter der Gestalt eines goldenen Körbchen?, das vollweißer Rosen war, die wie Lilien aussahen. Undauch unter dieser Gestalt erkannte Luci.m den Heili-gen. Dazu gchörete gewiß mehr als eine gemeine Be-urtheilungskraft. Die Reliquien dieser vorgegebenenHeiligen sollen sich ißt in der Cathedralkirche von Pi-sa befinden. Muß man sich nicht verwundern, daß manII. Theil. L l dem