Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
531
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Zweyter Abschnitt.

daß sie gclebet haben. Allein man hat Märtyrer undMärtyrerinnen, von denen man nicht einmal so vielweis. Die heilige Petronilla ist in der Kirche einesehr berühmte Jungfrau. Sie war, wie man saget,eine Tochter des Apostels, Petrus . Sie hatte aufseinen Befehl die Gicht. Eines Tags fragte ihn ei-ner von seinen Jüngern, Titus: Warum er seineTochter nicht gesund machte, da er doch die Gabe be-säße, die Kranken zu heilen? Er antwortete, daß ersie nicht gesund machte, weil es ihr zuträglich-r wä-re, krank zu seyn. Unterdessen befahl er ihr doch,zum Beweise seiner Macht, aufzustehen, ihnen beyTische aufzuwarten, und nachdem dieses geschehenwar, wieder krank zu werden. Sie starb, weil sieein gewisser Comes, FlaccuS genannt, heiralhenwollte. Die Manichäcr sind es, von denen dieseganze Erzählung herrühret. Und dennoch wird diesePetronilla öffentlich verehret; ihr Fest wird jährlich amein und dreyßigsten May gcfcyert, und Gregorius,der dritte, hatte gar einen Bethtag bey ihrem Grabezu halten verordnet.

Eben dieses, was man von der heiligen Petronil-f.la sagen muß, muß man auch von vielen vorgegebe-^ ^5-nen Schülern des Apostels Petrus sagen. Die ersteKirche weis nichts von einem heiligen AsprcnaS, dendie Kirche zu Neapolis, als ihren Stifter ehret; nichtsvon einem Pancracius und Peregrin, von welchenSicilien das Evangelium empfangen haben will;nichts voil einem TorquatuS, Ctesiphon, Secundus,Jndalecius, Cäcilius, Esicius, und Euphrasms,welche Petrus und Paulus nach Spanien gesendet ha-ben sollen. Unterdessei, feycrt man ihnen doch Feste;man erzeiget ihnen eine gottesdicnstliche Ehre, ob man

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