Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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544 Geschichte der christlichen Religion.

sten bestimmet und aufgeführet worden wären ; sonstwürde er nicht gesaget haben, daß sie als in einenTempel Gottes zusammen kommen sollten. Da aberdie christlichen Gemeinen zahlreicher wurden, und ge-gen das Ende des zweyten und im dritten Jahrhun-derte, zuweilen Ruhe vor den Verfolgungen der Hei-den hatten: so führeten sie, weil vielleicht Privathäu-ser die Menge der Christen nicht mehr fassen konnten,und weil schon in dem Gottesdienste verschiedene Ce-remonien eingeführet waren, die sich in Privatgcbäu-den nicht allezeit mit aller crfoderlichen Bequemlichkeitbeobachten ließen, besondere Gebäude auf, die zu ih-ren gottesdienstlichen Versammlungen vorzüglich be-stimmet wurden. Allein, noch hatten sie keine Altaredarinnen ; noch eigneten sie diesen Gebäuden keine ei-genthümliche und vorzügliche Heiligkeit vor andernOertcrn zu. Eben deswegen machten die Heiden denChristen den Vorwurf, daß sie keine Religion haben

Q?-c,V. a/,. müßten, weil sie keine Tempel hätten. Warum,sa^e Cacilius, haben sie keine Altäre, keine Tempel,keine Bildsäulen der Gottheit? «vrigenes antworte-

Ö,^F. /. s. ^ ^rn Celsus auf eben diesen Vorwurf: wir halten' nicht dafür, daß Gott durch leblose Tempel verehretwerden müsse - - wir vermeiden daher dasjenige, wasunter dem Vorwande des Gottesdienstes die Menschengottlos machen kann. Die Christen hielten es alsoin den ersten drey Jahrhunderten weder für ein noth-wendiges und wesentliches Stück des Gottesdienstes,öffentliche Tempel z» haben , noch für eine besondereVerehrung Gottes, Tempel zu bauen. Man findetdaher nicht, daß ein christlicher Schriftsteller vordemvierten Jahrhunderte dieOertcr, an welchen die Chri-sten zusammen kamen, Gottgemeinschaftlich zu dienen,

Teur