560 Geschichte der christlichen Religion.
Haltung einiger Lehrender Religion und gewisser Stü-cke des öffentlichen Gottesdienstes.
Die Kirche wußte noch zu des Justinus, desMärtyrers, Zeiten nichts von einer solchen Geheimhal-tung. Denn wenn sie damals für nothwendig gehal-ten worden wäre: so würde er in seiner Schuhschriftfür die Christen weder die hohen und geheimnißvollenLehren der Religion, als die Lehre von der Anbethungdes Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes,und die Lehre vom Abendmahle ist, noch den ganzenGottesdienst der Christen so genau und umständlichbeschrieben haben. Es ist also vollkommen glaubwür-. dig, daß man weder vor ihm, noch zu seinen Zeiten,für nöthig gefunden habe, etwas von der Religionund dem christlichen Gottesdienste geheim zu halten.Es ist also die Frage, warum diese Geheimhaltungeingeführt worden sey, und was die Christen im drittenJahrhunderte vornehmlich für Geheimnisse hatten.
Es ist bekannt, daß es, besonders im Oriente,nicht allein in den abgöttischen Religionen, und unterden Philosophen, sondern auch unter den christlichenGnostikern Geheimnisse gab, zu deren Gemeinschaftund Kenntniß nur wenige, und erst nach einer langenPrüfung, zugelassen wurden. Die Religionen derHeiden hatten es nöthig, das Licht zu scheuen, da-mit ihre Betrügereyen, mit welchen sie den Pöbel hin-tergiengen, nicht entdecket werden möchten. Die Phi-losophen und Gnostiker hatten es auch nöthig, ge-heimnißvoll zu seyn, und sich dadurch in Ansehen zusetzen. Die Welt war es also gewohnt worden, beyeiner jeden neuen Religion oder philosophischen Secteetwas Geheimes zu erwarten, oder gleichgültig gegensie zu seyn, wenn sie nichts versprach. Als die Wun-
Vergaben