Zweyter Abschnitt. 56-
vergaben in der Kirche selten zu werden ansingen, be-redete» sich vielleicht einige christliche Lehrer, daß sichdie wahre Religion nicht mehr mit der Geschwindig-keit ausbreiten würde, mit welcher sie sich zeither aus-gebreitet hatte, wofern sie nicht die Aufmerksamkeitund Neubegierde der Menschen auf eine andere Weifeerweckten und unterhielten. Sie glaubten vielleicht,daß es die Klugheit erforderte, nicht allein einigeNachsicht gegen die menschliche Schwachheit zu brau-chen , sondern auch gewisse erhabene Lehren und Stü-cke des Gottesdienstes, die entweder von Unverstän-digen nicht begriffen, oder deren Endzwecke und Nu-tzen von ihnen nicht vollkommen eingesehen werdenkonnten, so wohl den Augen der Schwachen, diesich daran stoßen dürften, als auch der Kenntniß dererzu entziehen, die ihre Wissenschaft nur zur Spöttereymisbrauchen möchte»,. Sie Hoffeten dadurch der Reli-gion mehr Ansehen zu geben; weil dem gemeinen Hau-fen alles Geheimnißvolle göttlicher und ehrwürdigerzu seyn scheint, als was frey an das Licht tritt, alsein Heiligthum, zu welchem ein jeder einen offenenZutritt hat; sie Hoffeten auch bey denen, die sich be-kehren wollten, ein starkes Verlangen nach der Be-schleunigung ihrer Bekehrung zu erwecken. IhreWeise, die Catechumenen zu unterrichten, konnte sieauf diese Gedanken bringen, und in denselben bestäti-gen. Die Gesetze eines guten Unterrichts fodern voneinem Lehrer, daß er erst das Leichtere, und so danndas Schwerere vortrage. Es wäre wider die Klug-heit gewesen, Menschen, denen auch die ersten Grün-de der natürlichen Religion unbekannt waren, in demersten Unterrichte, den man ihnen ertheilete, sogleichin das Allerheiligste der Religion, oder zu den erha-ll- Theil. N n ben-