Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
564
Einzelbild herunterladen
 

564 Geschichte der christlichen Religion.

gottesdienstliche Handlungen unterlassen haben müssen,wenn Heiden dazu gekommen sind.

Diese Geheimhaltung kann, nachdem sie einmulals nützlich eingeführet war, noch durch andere Ursa-chen seyn bekräftiget worden. Die Schriftsteller desdritten Jahrhunderts fingen vornehmlich an, von denmeisten gottesdienstlichen Handlungen und Gebräu-chen der Christen in Ausdrücken zu sprechen, die sichin ihrer ganzen und vollen Bedeutung nur aufden jü-dischen Gottesdienst schickten. Man hatte, wie wirbald sehen werden, schon sehr jüdische Ideen vomPne-stcrthumc. Man redete vom Abendmahle als von ei-nem Opfer. Was war natürlicher, als daß man mden gottesdienstlichen Versammlungen auch einen Vor-Hof, ein Heiliges, und ein Allerheiligstes haben woll-te ? Wirklich wurden nach diesen Begriffen die erstenKirchen der Christen erbauet; und je ceremonialischerder christliche Gottesdienst wurde, desto mehr beson-dere Abtheilungen erhielten die dazu bestimmten Ge-bäude. Eine Art der Absonderung der Catechumeuenvon den Glaubigen führete die andere ein. Die Ab-sonderung derselben von gewissen gottesdienstlichenHandlungen zog eine andere in Ansehung des Ortes,wo sie in der Kirche stunden, nach sich. Die Gläu-bigen stunden an ihrem besondern Orte ; die Catechu-menen all einem andern. 'Bald werden wir sehen,daß noch ein besonderer Ort den Büßenden angewiesenwurde. Diese Absonderungen wurden für desto nö-thiger gehalten, je allgemeiner schon gewisse platoni-sche Irrthümer von der Wirkung böser Geister in diemenscl'lichcn Körper geworden waren.

Eine Einleicung in die Geschichte der Religionlaßt keine Untersuchung und Betrachtung aller einzel-nen