Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
565
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Zweyter Abschnitt. 565

nen Gebrauche zu, welche bey dem Gottesdienste derersten Christen gewöhnlich waren. Es ist genug,wenn sie erinnert, daß so wohl der Wohlstand, alsdie Ordnung viele eingeführet habe, die nicht eigent-lich Ausdrücke und Merkmaale der Gottesfurcht waren.So gehörete die Verhüllung der Weiber nicht so wohlunter die heiligen Ceremonien, als vielmehr unter dieGebrauche des Wohlstandes, der bey verschiedenenVölkern auch eine verschiedene sinnliche Sprache zuhaben pflegt. Unterdessen war diese Verhüllung derChristinnen bey dem Gottesdienste eingeführet, undPaulus selbst hatte sie angeordnet. So war auch dieGeheimhaltung gewisser Lehren und gottesdicnsilicherHandlungen im Anfange nichts, als ein Gebrauch,den der Wohlstand zu erfordern schien. Gleichwohlwurde sie sehr bald in ein wesentliches Stück des Got-tesdienstes verwandelt.

Das Fasten machte im alten Bunde ein wesentli-ches Stück des jüdischen Gottesdienstes aus. DieJuden waren als Kinder anzusehen, die durch dieHülfe der Sinne unterrichtet und gebessert werdenmußten. Von Erwachsenen konnte man mit Rechtfordern, daß sie auch ohne die Sinne ihren Geist be-schäfftigen sollten. Dieses war die Ursache, warumweder Christus, noch seine Gesandten, die Apostel,deö Fastens wegen etwas gewisses und bestimmtes,verordnet haben. Unterdessen wurde dasselbe, alseine nützliche, obgleich ganz freye leibliche Uebungbeybehalten. Nach und nach wurden bestimmte Zei-ten desselben eingeführet; lind je mehr die in den gno-stifchen und platonischen Schulen erlernte Meynung,daß das Fasten an sich etwas Verdienstliches und Hei-liges sey, überHand nahm, desto weiter und auf desto

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