Zweyter Abschnitt« 567
Außer diesen jährlichen feyerlichen Fastenzeiten L-v^-F.?'»pflegten die Christen zu Certullians Zeiten wöchent-lich auch an der Mittwoche, weil sie glaubten, daß»^ ^'Christus an diesem Tage verrathen worden wäre, undam Freytage, weil sie sich an diesem Tage seiner Kreu-zigung erinnerten, zu fasten. Diese Tage hießen da-her Stationen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daßdiese Gewohnheit noch über Tertullians Zeiten hin-auf gehe. Dieses wöchentliche Fasten an diesen Ta-gen erstreckte sich, nach der damaligen Eintheilung desTages, bis auf die neunte Stunde. Die Montani-sten wollten die Christen verbinden, solches auf denganzen Tag zu erstrecken. Allein, die Rechtgläubigensetzten sich dagegen, und wollten sich dieses beschwerli-che Joch nicht aufbürden lassen.
Obgleich alle Christen sich für verbunden achteten,so wohl im Anfange das vierzigstündige, als nachherdas länger ausgedehnte jährliche gewöhnliche Fastenvor dem Osterfeste, wie auch die Enthaltung vonSpeist und Trank an den Stationen oder Bechtagenzu beobachten : so wurde es doch in der ersten Kirchefür kein Verbrechen angesehen, wenn jemand dieseleibliche Uebung entweder aus Schwachheit des Kör-pers, oder aus andern Ursache,, unterließ. Diese Frey-heit hatten sie, weil sie derselben auch zu des Chryso-stomus Zeiten noch nicht beraubt waren. Wenn dudeines schwachen Leibes wegen, sagte dieser Lehrer,nicht den ganzen Tag nüchtern hinbringen kannst : sowird kein Verständiger dir darüber einen Vorwurfmachen können. Wir haben einen gütigen Herrn, k»,^/?.der nichts verlangt, was über unsere Kräfte ist. Es ^-ist ihm nicht bloß um die gänzliche Enthaltung vonSpeise und Trank zu thun; nicht darum vornehmlich,
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