5?O Geschichte der christlichen Religion.
lungder Kranken nicht der Salbung mit Oele, son-dern dem Gebethe des Glaubens zugeschrieben werde.Da es auch gewiß ist, daß die Apostel ihre Briefe,ob sie gleich dieselben für alle Christen schrieben, dochinsbesondere und vornehmlich für die Gemeinen ihrerZeih abfasseten: so ist zum wenigsten wahrscheinlich,daß in dieser Stelle unter dem Glauben der wunder-thätige Glaube verstanden werden muß, den die Chri-sten, und besonders ihre Aeltesten, zu der Zeit hatten,da die Kirche erst gepflanzer werden sollte. Diese Er-klärung der apostolischen Verordnung wird noch ge-wisser, wenn man erwagt, daß Gott die Sünden derersten Christen zuweilen mir leiblichen Strafen zu ahn-den pflegte, damit sie ihren Wandel mit einer destogrößer«, Vorsicht führen möchten. Dieses schien umdesto nöthiger zu seyn, weil die Welt damals dergrößten Laster so sehr gewohnt war, daß der Abscheuvor denselben in den neubekehrtcn Christen durch etwasmehr, als bloße vernünftige Vorstellungen und Grün-de, erweckt und unterhalten werden mußte. Alles die-ses erhellet daraus, daß in der corinthischen Gemeineviele von denen, welche das Abendmahl nicht würdiggenug brauchten, krank wurden und starben. Manweis, daß sowohl Christus, als seine Apostel, ihreWunder mit symbolischen oder erinnernden Handlun-gen zu begleiten pflegeten. So theilelen die Aposteldie Gaben des heiligen Geistes durch die Auflegungder Hände andern mit. Die Salbung mit Oele waralso unstreitig auch nichts anders, als eine symbolischeHandlung, welche den Christen gewisse Wahrheitenoder Wohlthaten Gottes auf eine sinnliche Weise zuGemüthe führen sollte. So wie die Wundergabcn inder Kirche aushörcten : so verlohrcn sie auch die Kraft
dieses