Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
575
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Zweyter Abschnitt. 575

reinonie ist der Genuß des gesegneten Brodtes unddes geheiligten Weins! Niemand kann sie würdigbeobachten, als verwirklich an den Erlöser glaubet.Unwürdige und offenbare Sünder sollten sich selbst,wie Paulus verlanget, von dieser gotteödienstlichenHandlung ausschließen. Die ersten Christen hattendie Gewohnheit, das Abendmahl an allen Tagen desHerrn zu halten. Allein, es tonnten vielleicht nichtalle Christen bey dieser Handlung zugegen seyn? DieKirche führete also, aus Liebe und Achtungl gegen ihreBrüder, den Gebrauch ein, ihnen zum Zeichen derGemeinschaft, die sie mit den Abwesenden unterhiel-ten, einen Theil der Eucharistie, durch die Dienerder Kirche zuschicken zu lassen. Die Kinder der Gläu-bigen wurden für Mitglieder der Kirche wegen derTaufe gehalten, die sie empfangen hatten. Darum Q^/I/'^.schlich sich durch jenen Gebrauch der Misbrauch ein,auch den Kindern das Abendmahl zu geben. DieserMisbrauch scheint seinen Ursprung bis in das zweyte^^ '"^christliche Jahrhundert hinaufführen zu können.

Wenn man unterdessen sieht, daß die Ceremo-nien in der christlichen Kirche von Zeit zu Zeit mitneuen, und zwar mit solchen Gebrauchen vermehretwurden, die nicht allezeit eine gottesdienstliche Bedeu-tung hatten : so muß man eine billige Nachsicht ge-gen die menschliche Schwachheit haben. Erwägetman, daß die ersten Christen Iüden und Heiden ge-wesen sind, die sich von Kindheit an zu unzahligenGebräuche,, und Ceremonien gewöhnet hatten: so wirdman sich nicht wundern, wenn auch einige ganz unnü-tze Gewohnheiten unter die Christen aufgenommenwurden. Darunter gehöret der Gebrauch, sich alle-zeit unter dem Gebethe gegen Morgen zu wenden;

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