584 Geschichte der christlichen Religion.
wohn Christen zu verzeihen , die von der Unentbchr-lichleir der Religion zu ihrer wahren Ruhe überzeugetseyn müssen?
Es giebt gewisse an sich selbst gleichgültige Hand-lungen, die zwar keine innerliche sitrlicheGüte haben;die aber auch nicht dawider streiren, sondern ohneFurcht, Gott dadurch zu beleidigen, verrichtet wer-den können. Unter diese Handlungen gehörete zu denZeiten der Apostel das Ess n des Blutes, des Erstick-ten , und des Gößenopfers. Blut zu essen , oderSpeisen zu genießen, die den heidnischen Gößen geo-pfert worden waren , das waren an sich unsündlicheHandlungen. Allein, weil die Christen, wenn sie hierihre Freyheit gebrauchten, den Juden so wohl als denHeiden und selbst den Schwachglaubigen unter ihnenallzuanstößig werden, und fremde Gewissen bestrickenkonnten: so untersagten sie ihnen zum Theile einige vondiesen Handlungen, und zumTheile befahlen sie ihnen,mit dem Gebrauche ihrer Freyheit vorsichtig umzuge-hen und auf die Umstände zu merken , in denen siesich befinden würden. Zugleich gaben sie durch die-ses Verfahren allen christlichen Gemeinen auf alle Zei-ten eine allgemeine Vorschrift, wie sie sich bey gleich-gültigen Handlungen oder in Ansehung der so genann-ten Mitteldinge verhalten sollten. Sie sind gottes-dienstliche Gesellschaften; sie müssen also daraufsehen,daß weder ihr Wohlstand, noch ihre Ausbreitung, durchden Gebrauch ihrer Freyheit gestöhret und verhindertwerde.
Aus eben diesem Grunde machten die Apostel inAnschung der Ehen , in welche die Christen getretenwaren, oder noch treten wollten, einige Verordnun-gen, die zur ersten Kirchenzucht gezogen werden kön-nen.