Zweyter Abschnitt. 589
Disciplin erweitert hat, wollen wir noch einige An-merkungen über die Kirchengesetze des Erlösers undseiner Apostel machen.
Weder Christus, noch seine Apostel, nöthigten durchäußerliche Zwangsmittel einer irdischen Gewalt, dieMitglieder der Kirche zur Unterwürfigkeit gegen dieseheilige Zucht. Sie foderten einen freywilligen Ge-horsam. Nirgends erblicket man eine Spur einerweltlichen Herrschaft. Es sind zwar den Ueber« eternder Gesetze, die Jesus gebothen hat, schreckliche Stra-fen gedrohet: aber das Strafamt hat die Gemeinenicht, sondern ihr Haupt der Erlöser; sie siud nichtvon dieser Welt, weil sein Reich nicht von dieser Weltist. Die Gemeine der gläubig- n und frommeu Chri-sten , kann die irrgläubigen und lasterhasten Christennur unterrichten, nur ermähnen, nur mit den Stra-fen der Ewigkeit schrecken; und, wenn diese Mittelfruchtlos sind, sich nur von ihnen absondern, und kei-nen vertraulichen Umgang mit denen unterhalten, diesich durch-ihre Irrthümer und Laster, freywillig von ih-nen abgesondert haben, und sich ihres Umganges unwür-dig bezeigen. Christus und die Apostel haben ihr nir-gends eine Gewalt über die Güter, die bürgerlicheEhre, die Leiber und das Leben ihrer unwürdigenGlieder verliehen. Diese Gewalt hat nur die Obrig-keit; diese kann die Uebertreter der bürgerlichen Gese-tze bald durch den Angriff ihrer Güter, oder ihrerEhre, oder ihrer Leiber, oder ihres Lebens, entwederzur künftigen Beobachtung derselben zwingen, oderandere von der Beleidigung ihrer Befehle abschrecken.Die Kirche aber trägt das Schwerdt nicht; sie brand-market nicht; sie zündet keine Scheiterhaufen an;
denn sie ist nicht die Obrigkeit. Die NXlffen ihrer 2 Cor. ic-
Ritter 6--5°r,524