Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
610
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6lO Geschichte der christlichen Religion.

schiede zwischen Bischöfen und Chorbischöfen war schonausgestreuet und keimte schon; kaum fing sich das vier-te christliche Jahrhundert an: so hörete man sehr vielvon Metropolitanbischöfen, ordentlichen Bischöfenund Chorbischöfen. Jerusalem hätte, wenn eineRangordnung unter den Bischöfen statt finden sollte,unstreitig der Mittelpunct aller priesterlichen Hoheitund der vornehmste bischöfliche Sitz seyn sollen , weildie hierosvlymitanische Kirche die Mutter aller christ-lichen Kirchen war. Allein, weil der dasige Bisclwfkeine starke Gemeine hatte: so hatte er auch kein sogroßes Ansehen, als die Bischöfe in Rom, in Aler-cmdrien , in Antiochien und zu Carthago, weil sichin diesen Hauptstädten des römischen Reiches und inden ihnen unterworfenen Provinzen, die zahlreichstenchristlichen Gemeinen befanden. Chorbischöfe sind soviel als Bischöfe vom Lande. Vermuthlich erhieltensie im dritten Jahrhunderte nicht allein wegen ihrerkleinen Gemeinen diesen Namen, zum Uitterschiededer Stadtbischöfc, deren Kirchen stärker waren, son-dern waren auch schon diesen aus gewisse Weise unter-worfen , ob man gleich so billig seyn und glauben muß,daß ihre Unterwürfigkeit mehr dem Zufalle und ihremfreyen Willen, als der Herrschsucht der größern Bi-schöfe zugeschrieben werden müsse.

Eine solche Beschaffenheit hatte es mit den Kirchen-ämtern und besonders mit der bischöflichen Würde,schon im zweyten und vornehmlich im dritten Jahrhun-derte des Christenthums. Hier entsteht die Frage,ob der Unterschied zwischen den Kirchenamtern allezeitso groß gewesen sey, und bis auf die Zeiten der Apo-stel zurück geführec werden könne. Ehe sie entschieden-werden kann, muß eine andere aufgeworfen werden,

die