616 Geschichte der christlichen Religion.
che die bischöfliche Würde im Anfange eingeschlossenseyn mochte, gewiß nicht wenig bey. Was für einUnterschied zwischen dem Hohenpriester, den Prie-stern , und den Leviten der Jüden! Dem ungeachtet
/F»<?/, e/>. verglich Ignarius die Priester des neuen Testamen-tes mit den jüdischen Priestern, und alle seine Lobsprü-
§-i-4 7-s. che^ die er den Bischöfen, denAeltesten, und dene/> Dienern ertheilcte, gründeten sich darauf. So nann-
7>v///^ te er sie zusammen einen Altar, und sagte, daß die-
7- innigen, die sich innerhalb demselben befanden, rein
->/>. waren. Nach seiner Meynung saß der Bischof in derKirche an Gottes Statt; die Aelresten hatten die Stel-^- le der Apostel; die Diaconi aber den Dienst JesuChristi zu besorgen. Die Smyrnenser ermahnete er,dem Bischöfe zu folgen, wie Jesus Christus dem Va-ter gesolget wäre. Diese Lobsprüche hatten freylichdie Absicht, die Eintracht unter den Christen zu befe-stigen , und besorgliche Trennungen unter ihnen zuverhindern. Allein, sie wurden zugleich von derschlimmen Folge begleitet, daß theils die Unverstän-digen , theils die Ehrsüchtigen, die Begleichung zwi-schen dem jüdischen und dem christlichen Priesterthumezu weit ausdehneten, und dadurch denSaamen zu ei-ner Kirchenherrschaft auSstreueten, welche die Grund-sätze der christlichen Religion verbothen. Für Men-schen , denen es bey dem Ueberrritte zum Christenthu-ms immer schwer werden mußte, alle Begriffe desIüdenthumes und selbst des Heidenthumes zu verleug-nen , war nichts leichter, als die Verwechslung derBischöfe mit den Hohenpriestern der Jüden, undselbst mit den Hohenpriestern der Heiden ; da solcheuneingeschränkte Lobeserhebungen der bischöflichen Wür-de in ihre Ohren erschalleten. Eine solche Verwechs-lung