618 Geschichte der christlichen Religion.
sie sahen, daß ihnen die göttliche Offenbarung zu deut-lich widerstritt. Die Vertheidiger der Wahrheit woll-ten ihnen diesen schwachen Pfeiler ihres Irrthumswegreißen. Wenn es mündliche Sagen eini-ger Lehren giebt, welche nicht in der Schrift erhaltenseyn sollen : so müssen sie unstreitig in den von denAposteln selbst gestifteten Kirchen zu finden seyn.Man hat kein Recht, zu vermuthen, daß dergleichengeheime Lehren nicht von einem Bischöfe auf den an-dern fortgepflanzet worden seyn sollten. So antwortetendie Rechtgläubigen; niemand zweifelte daran, daßnicht die römische, die antiochenische, und die alexandrini-sche Kirche, von den Aposteln gestiftet worden waren.An diese nun verwiesen die christlichen Schriftstellerdie Irrgläubigen, und dadurch machten sie die Bi-schöfe der sogenannten apostolischen Gemeinen zu Rich-tern des Glaubens, oder ertheileten ihnen zum we-nigsten die gefährliche Macht, durch ihren AuSspruchdie wahren Traditionen der Kirche von falschen und7<?» t»//. /. erdichteten zu unterscheiden. Solcher Waffen bedien-t/ete sich besonders Termllian gegen die Irrgläubigen.Sie waren nicht von der besten Art; denn sie behau-pteten die Wahrheit nicht, wie die Wahrheit bewiesenwerden muß. Die Irrgläubigen verloren wenig beyeiner solchen Art zu streiten; denn es blieb ihnen stetsdie Ausflucht übrig, daß die Bischöfe der apostolischenKirchen aus Eigennutz die geheimen Traditionen derJünger Jesu Christi unterdrücket haben könnten.Doch so viel ist gewiß, daß diese Methode die Irren-den zu widcrlegen, die Gewalt der Bischöfe ansehn-lich vergrößerte.
Unter die Ursachen, welche die bischöfliche Würdeso sehr über die Aeltesten erhob, kann man ferner die
Ab-