Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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626
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626 Geschichte der christlichen Religion.

neunten und zehnten Jahrhundertes Beweise davonfinden. Ihr Ansehen war damals so groß, daß einMensch für einen Elenden, der keine Religion besäße,würde seyn gehalten worden, wenn er an dem göttli-chen und apostolischen Ursprünge dieser Gewalt hättezweifeln wollen. Eine Geschichte der Religion würdedaher unvollständig seyn, wenn sie nicht lehren wollte,wie groß das Ansehen der ersten römischen Bischöfegewesen, und auf was für Stufen die Gewalt ihrerNachfolger so weit enporgestiegen ist.

Keine Geschichte ist so voll Ungewißheit und Fin-sternisse, die niemand aufklaren kann, als die Geschich-te der ersten römischen Bischöfe. Ob gleich aus derSchrift unstreitig ist, daß alle Apostel einander voll-kommen gleich gewesen sind: so hat man dock denApostel Petrus in den spatern Zeiten zu dem Rangeebnes Monarchen über die Kirche erhoben, und ihndie Bischofthümer und Patriarchate der Welt unterdie andern Apostel austheilen, diese aber als Vasallenseines Reiches, oder vielmehr als seine Unterthanenvon ihm abhängen lassen. Allein, zum Unglücke fürdiese Meynung, weis die erste christliche Welt nichtsvon einem solchen Monarchen, und von dieser Gewalt,welche in der römischen Kirche so zu sagen erblich ge-worden seyn soll. Ja ob man gleich dem Zeugnisse<K /'^///? d^. V^ter glauben muß, daß Petrus in Rom das,././>.^7. Evangelium geprcdiget und den Märtyrertod daselbstausgestanden habe, wie wohl die Zeit desselben nochganz ungewiß ist : so ist doch das völlig unentschieden,ob er der Stifter, und der erste Bischof der römischenD«,»-. s«i Kirche gewesen sey, oder nicht. Man laßt ihn zwarftin bischöfliches Amt vier und zwanzig Jahre daselbstverwalten, und deswegen im zweyten Jahre der Re-gierung