Zweyter Abschnitt. 6zi
Man hat schon gesehen, daß im zweyten Jahrhun-derte das Ansehen und der Rang der christlichen Bi-schöfe sich sehr nach der Größe ihrer Gemeinen undnach dem Range der Städte richtete, in welchen sieihren Sitz hatten. Aus dem Grunde konnten sich die e. O«römischen Bischöfe den höchsten Rang in der Kirche?'»versprechen. Rom war die größte und die reichste A"?"'Stadt in der Welt; sie war der Sitz des Reicheshier herrscheten und gaben die Kaiser der ganzen Erde Gesetze, und, wie Julianus sagte, alle Einwohner/«//a».der Erde gehöreten ihr zu und waren ihre Bürger.^-Sie sah sich als die Mutter aller Völker und dasVaterland aller Nationen an. Claudia» nannte sie die 6/0/^.»»Quelle der Gesetze. Denn die ganze Erde mußte sich N/-so wohl nach ihren geschriebenen Gesetzen, als nach ih-/^ren Gewohnheiten richten. Vasnage stellet dahereine sehr genaue Vergleichung des christlichen Roms /'^/. ,./.mit dem heidnischen Rom an. Hier werden, wie er?. 545.saget, die Monarchen der Kirche erwählet; ihr Aufent-halt daselbst kömmt nicht auf ihre freyeWahl an, son-dern er ist an diese Stadt gebunden. Das christlicheRom hat außer dem geschriebenen Gesetze auch seineGewohnheiten, wie das heidnische, und will, daßalle Christen denselben folgen sollen. Wie diesesüberall Schulen hatte, in welchen seine Rechte gelehretwurden : so hat auch das christliche Rom in den fern-sten Städten Schulen, in welchen das canonischsRecht gelehret wird, damit Verstand und Gewissenüberall auf eine gleichförmige Art gebunden seyn mö-gen. Das heidnische Rom sah sich als die Mutteraller Städte, und ihre Einwohner für ihre Bürgeran. Die römische Kirche nennt sich die allgemeineMutter der Christenheit, und hält alle Völker für
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