Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
641
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Dritter Abschnitt. 641

einem Reiche viele Reiche und eben dadurch grausameinnerliche Unruhen entstunden, dennoch so lange, alsdie Nachkommen desselben kriegerisch waren. Denndie alten Deutschen verlangeten von ihren Beherrschernkeine andern Verdienste, als Muth, eine Eigenschaft,ohne welche in den damaligen barbarischen Zeiten,wo nicht mir eine Nation die andere, sondern selbsteine jede Familie die andere aufzureiben suchte, kein UngefährVolk bestehen konnte. Aber Clorar, ein weifer und im bi?> I.glücklicher König, legte unwissend und bloß aus Be-gierde, die Treue seiner Unterthanen zu belohnen, undsie die Glückseligkeit einer gnädigen Regierung empfin-den zu lassen, den ersten Grund zum Verfalle seinesGeschlechtes. Nachdem er durch seinen Sieg überdie Brum'childis Austrasien und Burgund unter sei-nem Scepter vereiniget hatte, suchte er die Liebe sei-ner Unterthanen zu gewinnen, und dadurch sei-ne Regierung zu befestigen. Die Befehlshaberfeines Reiches erhielten ihre Statthalterschaften aufihre ganie Lebenszeit. Seine Oberhofmeister , wel-che vor dem weiter nichts als die Einrichtung des Ho-fcö und die Aufwartung der Könige zu besorgen ge-habt hatten, und deswegen Majores Domus ge-nannt wurden, wurden Unterkönige der vereinigtenfränkischen Reiche. Dieses war ein neuer wichtigerAnwachs ihrer Größe, die schon dadurch furchtbarerwar, als sie in einem monarchischen Staate seyn muß,daß in Abwesenheit der Könige mit dieser Würde dasBefehlshaberamt über die Kriegesheere verknüpfet wor-den war. Clotar war so gefallig gegen seine Unter-thanen, daß er nichts wichtiges vornahm , ohne dieGroßen seines Hofes um ihren Rath gefraget zu ha-ben. Besonders erhielten die Prälaten unter ihm ei-ne Hoheit, vor welcher die Herrschaft des KönigesII Theil. Ss we-