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Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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642 Betracht, über die Weltgeschichte.

wenig mehr voraus hatte. In ihren Diöcesen besas-sen die Bischöfe eine unumschränkte Gewalt über ihreGeistlichen; sie theileten die schon damals reichenGü-rer der Kirchen aus, wie sie wollten; sie hatten dieGewalt, diejenigen, die das Leben verwirket hatten,und die Sclaven, welche sich in ihre Kirchen flüchte-ten , zu beschützen; sie waren auch gebohrne Verthei-diger der Armen, der Witwen und der Waiscn, und,wen sie in den Bann gethan hatten, der konnte keinesvon denen Aemtern bekleiden, die der König vergab;in dem Augenblicke, da er ihre Ungnade empfand,war er bürgerlich todt, und seine Erben konnten sichebenso gut in den Besitz seiner Güter setzen, als wenner schon wirklich gestorben wäre. Der Monarch hat-te also nicht allein mehr die oberste Gewalt; sie warunter die Bischöfe seines Reiches, unter die Großen,vornehmlich aber unter die L'Najor Domus, als dieobersten Bedienten des Hofes, vertheilet, i>.ren Ge-walt so sehr zunahm, daß sie in einigen Jahrhunder-ten das merovingische Geschlecht vom Throne vertrie-ben. Clotar hatte die Absicht, sich bey seinen Unter-thanen gefällig zu machen; aber auf die Art, wie crsolches anfing , zeigte er ihnen den Weg, Könige zuwerden. Dadurch, daß er ohne den Rath der Gros-sen nichts Wichtiges unternahm, gewöhnete ersiezumVergnügen, Mitbeherrschcr des Reiches und Richterüber ihren Monarchen zu seyn. Dieses Vergnügen hat-ten sie schon einmal genossen, da er sie zu Richternüber die Königinn Brunichildis , sich selbst aber ausihrem eigentlichen Richter zum Anklager derselben ge-macht hatte. Wenn ein Monarch seinen Nachkom-men die unumschränkte Herrschaft über sein Reich er-halten will : so muß er dafür sorgen, daß sie allezeitals die einzige Quelle und der Mittelpunkt aller bür-