Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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Dritter Abschnitt.

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folgete dem Beyspiele seines Vaters, siel in eben denFehler, und machte seine Söhne, dcn Sigibert, undden Clodoveus zu Königen, da sie noch Kinder wa-ren. Das hieß ihreOberhofmeistir zu ihren Monar-chen machen. Wenn man den Geschichtschreibern Lün.glauben will: so erhob Dagobert den Sigibert in derReichs-Absicht auf den Thron, die Austrasicr unter dem Gc-h'st.2Rch.horsame seines Scepters zu erhalten, diedarübermi6-'96-vergnügt gewesen seyn sollen, daß er sich mehr in denneustrischen und burgundischen Landen, als in den au-sirasischen aufgehalten habe. Allein, sollte die wah-re Ursache dieser Krönung nicht die Herrschbegierdedes Chunibertus, eines Erzbischofes von Cöln, unddes Major Domus, des Adalgisilus, gewesen seyn?Dem, warum wurden eben sie Vormünder des min-derjährigen Königes und wahrend seiner Minderjäh-rigkeit Regenten des Reiches? Und warum ließ deralte Pipinus nach Dagoberts Tode, dem er sich sounentbehrlich gemacht hatte, daß er ohne seine Ge-genwart nicht König seyn konnte, dem Adalgisilusdas Amt eines Oberhofmeisters bey dem Sigibertnicht, wenn er nicht bey allen seinen großen Tugen-den allzuviel Geschmack an der Regierung fand?

Die Fehler, welche Clotar und Dagobert began-6,eF«r-.gen hatten, waren von unersetzlichen Folgen. Die 7»'0».Oberhofmeister hatten mit einigen andern königlichen ^Beamten die politische Verwaltung der Lehngüter,den Vorsih im Rathe des Königes, und eine fast un-umschränkte Gewalt über die Armeen. Nothwendigmußte so wohl der Adel als die Clerise» mehr auf denMajor Domus, welcher Lehngüter, Aemter,Würden und Befchlshaberschaftcn auszutheilen harte,als auf einen Maskenkönig achten, der, wenn jener

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