646 Betracht, über die Weltgeschichte.
in seinem Namen Krieg führete und Länder eroberte,in seinem Pallaste eingeschlossen war, und sich alle Mü-he gab, einen unangebauten Verstand unter einigenHofdamen und in dem Genusse weibischer Wollüstevollends ganz zu verlieren. Ehe dem Oberhofmeistereine so große Gewalt ertheilet worden war, warendie Könige der Franken in allen ihren Ländern immergegenwartig; sie waren stets an der Spitze ihrer Ar-meen , und eben das hatte in den Herzen der Frankeneine so große Liebe und Ehrfurcht gegen die Königeous dem merovincu'schen Stamme erwecket. Nach-her aber ließen sie sich jahrlich nur einmal bey denMär;versammlungen sehen, wo sie auf einem Wagenfuhren , den vier Stiere ziehen mußten , damit dieMajestät nicht allzusehr erschüttert wcrden möchte.Wenn sie Verordnungen gaben: so waren es Gesetzedes Nlajor Donttw; wenn sie den Abgesandten ant-worteten, so sagten sie die Antworten her, welche sieihre Oberhofmeister hatten auswendig lernen lassen.Wer etwas bey ihnen zu suchen hatte, der mußte siein ihren Zimmern unter ihren Zeitvertreiben aufspü-ren. Aber er mußte sich hüten, von Geschafften mitihnen zu reden. Er wurde zum Major Doniusgewiesen. Dieser öffnete die Briefe und die Bitt-schriften , und beantwortete sie, ohne einen andernRath zu Hülfe zu nehmen, als den seinigen ; erhö-rete die Klagen der Unterthanen und der Gesandtenfremder Völker an; er gab, er wiederrief, er machteVerträge und hob sie auf; kurz, er entlud seinen Kö-nig aller Last der Regierung , um seine Gewalt aufsich zu bringen. Solche Marionettcnkönige warendie letzten Beherrscher der Franken; sie konnten sichniemals selbst bewegen; sie mußten zu einer jeden Be-
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