Dritter Abschnitt. 647
wegung, die sie machen sollten, erst von ihrem!77»:«jor Domus gezogen werden.
Der Unerfahrne, der nicht weis, wie gern derUnterthan regieret, wundert sich, daß die letzten mc-rovingischen Könige unter der Aufsicht solcher Ober-Hofmeister, die wegen ihrer Klugheit, ihrer Tapfer-keit , ihrer Begierde, die Franken glücklich zu ma-chen , so sehr berühmt sind, nicht einmal mittelmäs-sige Monarchen wurden, sondern so wenig kriegerischund so sehr weibisch waren, daß sie auf einen Winkihrer Buhlerinnen die Spindel lieber als den Scepterergriffen haben würden. Die Major Domus hat-ten genug zu thun, ihren Nachkommen den Weg zurKrone zu bahnen: also hatten sie keine Zeit, sich umdie Aufcrziehung ihrer Könige zu bekümmern.
Die wichtige Stelle eines M<?jor Domus war Im 640.niemals erblich gewesen; sie hing von der Wahl des I- C^'-Königes und der Großen ab. Allein , Grimoald , ^v'Pipins voil iandin Sohn, suchte sie mit Gewalt erb-lich zu machen. Weil er einen Nebenbuhler um die-se Würde halte: so sehte er sich durch die Waffen inden Besitz der zu dieser Würde gehörigen Gerechtsa-men. Er beherrschte den Sigibert so sehr, daß ihmderselbe versprach, im Fall er ohne Kinder stürbe,sollte sein Sohn Childebcrt König werden. Allein,der König bekam bald nach diesem Versprechen einenErben. Umsonst sah sich Grimoald seiner Hoffnung 1.656.beraubet ; umsonst vertraute Sigibert selbst seinenPrinzen der Großmuth dieses Hochmüthigcn an. ^ei-ne Untreue gegen den jungen Dagobert gieng so weit,daß er ihm sein langes Haar, diese unterscheidendeund nach der damaligen Reichsverfassung unumgäng-lich nöthige Zierde der frankischen Prinzen abschneiden
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