Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
650
Einzelbild herunterladen
 
  

6)O Betracht, über die Weltgeschichte.

I. n. Chr. Theodorich war durch den Misbrauch der Ge-G. 67z. walt, die er seinem Oberhofmeister gelassen hatte,seiner Krone beraubet worden. Ein solches Beyspielhatte Childerichen lehren sollen, diese Macht, welchedem Throne so fürchterlich war, einzuschränken. Al-lein, dieser König war es eigentlich nicht gewesen, derNeustrien erobert hatte; er hatte nur den Namen da-zu hergelichen, und Wulfoaid, sein Major Domus,war es, der Austrasien und nunmehr auch Ncustricnund Burgund beherrschet?. Ein Tyrann, wieEbro-in! Seine Tyranney war den Neustriern und Bur-gundi'ern um so viel unerträglicher, weil er ein Ost'franke war. Die Verbitterung der Franken erwar-,tete nur eine günstige Gelegenheit, in einen öffentli-chen Aufruhr auszubrechen. Childerich veranlassetedie Empörung selbst. Er glaubte, erst alsdann recht Kö-nig zu seyn, wenn er sich nicht zu überwinden brauch-te,und die ihm zugefügten Beleidigungen als ein Tyrannrächen könnte. Bodilo, ein vornehmer Neustrier,hatte ihn beleidiget. Diesen ließ er, zur Befriedi-gung seines Zorns^ an einen Pfal binden und gleich ei-nem Leibeigenen geißeln. Bodilo glaubte, daß er ei-nen solchen öffentlichen Schimpf durch das Blut desKöniges tilgen müßte. Childerich wurde auf derJagd hingerichtet. Nunmehr entfloh Wulsoald nachAustrasien , und der vorher ins Kloster verstoßeneTheodorich wurde wieder König. Allein , er hatteweder das Glück über alle fränkische Staaten zu herr-schen , noch auch eine ruhige Regierung.

Um eben diese Zeit, oder vielleicht noch unterChilderichen, war Dagobert, den Grimoalds UntreuenachIrrland verstoßen halte,nachAustrasien gekommen,und hatte dieses Königreich sich zugeeignet. Wulsoald

wurde