660 Betracht, über die Weltgeschichte.
Weisheit, Strenge und Gnade zu vereinigen Wenner seinen Ehrgeiz, die Krone zu besitzen, vor den Au-gen der Unverständigen dadurch zu verbergen wußte,daß er Childerichen, einen Prinzen aus dem königli-chen merovingischm Hause auf den Thron erhob : sowar das zugleich eine Staatslist, durch die er seineeigene Größe und seinen natürlichen Beruf zur Herr-schaft neben dem Schatten von einem Könige in eindesto helleres Licht sehte.
Indeß hatte sein Bruder, Carlomann, ein Prinz,deines nicht an Verdiensten fehlet«?, einen Einfall, dervon der Andacht der damalige!» Zeiten erwartet wer-den konnte; er ward ein Mönch. Es läßt sich schwerentscheiden, ob er solches gethan habe, das Unterneh-men seines Bruders zu erleichtern, oder aus Ueber-zeugung, daß er dasselbe nicht hindern könnte. Ge-nug, er übergab Austrasien seinem Bruder, und Pipin,der dem Ansehen nach, zcirher ein bloßer Oberhofmei-ster gewesen war, wurde zugleich ein so freyer und un-abhängiger Fürst.
Gleichwohl verflossen ungefähr noch vier Jahre, eheer Childerichen auch den Namen eines Königes nahm.Er brauchte dicfe Zeit, die Franken zu unterrichten,daß er des Thrones vollkommen würdig wäre, und dieEhrfurcht, die sie noch gegen das alte königliche Ge-schlecht empfanden, ganz zu unterdrücken. Er ver-stund die Kunst, seine Verdienste rühmen zu lassen.Eine beständige Vergleichung von Childerichs Schwä-che und Pipins Größe, der Einfalt und Feigheit deseinen uud der Weisheit und Tapferkeit des andern warein sicherer Weg, es dahin zu bringen, daß an dem ei-nen alles gefiel, und an dein andern misfiel. Chil-derich liebte und belohnte niemanden ; denn er besaß
dazu