Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
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667
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Dritter Abschnitt. 667

seine Seele durch das Anschauen Gottes einer vollkom-menen Seligkeit genießen mußte. Dieser falsche Pe-trus redete als ein sehr schwacher Mensch, der beyderAnnäherung eines Feindes erschrickt und einen jedenMenschen um Barmherzigkeit anrufet. Was für ei-ne Demüthigung für einen Heiligen, der bey Gott soviel Gewalt hat und doch mit so viel Beredsamkeit denBeystand der Menschen erbettelt! War es ihm nichtanständiger, seine Feinde mit Feuer vom Himmel zuvertilgen? Er verspricht denen, welche ihm helfenwürden, das ewige Leben. Wenn er so mächtig ist,und so viel wegzugeben hat: was lag ihm daran, obsein Nachfolger Stephanus, oder ein lombardischerKönig die Stadt Rom , und Ravenna, und anderesolche Städte besaß? Einem, der so reich ist, stehtes nicht wohl an, so gar eigennützig zu seyn. Undwenn er den Lombarden so wenig gönnetc: warumführete er nicht lieber die Märtyrer und Heiligen, die,mter ihm stunden, wider diese Feinde an? Vielleichthätte noch eine so neue Armee die Bekehrung der Lom-barden gewirket!

Dieses Schreiben ist, wie der Abt Fleuri saget,sehr wichtig, den Geist dieses Iahrhundertes kennen^/. 5.zu lernen. Es lehret, wie weit die ernsthaftesten/'-^s.Männer die Erdichtung treiben konnten, wenn sie die-selbe für nützlich hielten. Es ist voll Zweydeutigkei-ten. Die Kirche bedeutet darinnen nicht die Ver-sammlung der Gläubigen, sondern irdische Güter.Die Heerde Jesu Christi bezeichnet die Leiber undnicht die Seelen der Menschen. Die irdischen Ver-heißungen des alten Bundes werden mit den geistli-chen Verheißungen des Evangelii vermenget. Die

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