Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
674
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6?4 Betracht, über die Weltgeschichte.

liche Verfassung seiner Monarchie war so beschaffen,daß sie sich in ihrer Größe nur unter der Regierungeines solchen außerordentlichen Geistes erhalten konnte,als der seinige war. Unter seinem Scepter stunden soviele verschiedene Völker, von denen eines das anderebeneidete, oder verachtete. Selbst unter der fränki-schen Nation herrschte keine vollkommene Eintracht;die Austrasier waren über die Neustrier, und dieseüber jene eifersüchtig. Die andern Völker waren vor-dem freye Völker gewesen; sie waren größtenthcilserst durch seine glücklichen Waffen überwunden wor-den. Der Longobarde und der Bayer gehorchete ge-zwungen. Keine Kriege waren blutiger und für einVolk verderblicher, als seine Kriege wider die Sach-sen. Sie wurden in allen Feldzügen überwundenund dennoch empöreten sie sich eben so oft wieder, alssie besieget wurden. Wittekind war so sehr ein Held,als Carl; er war nur nicht so weise, so glücklich undso machtig. Die Dänen waren gefahrliche Nachba-ren, und zwar um so viel mehr, je größer Gottfrieds,ihres Königes, Muth und weiraussehender Geist war.Die Hunnen und Saracenen waren fürchterlich, weilsie eine raubbegierige und um deswillen kriegerischeNation waren. Der Adel der Monarchie war zwartapser, aber unruhig, und aus den vorigen Zeitenher gewohnt, Theil an der Regierung zu nehmen.Die Provinzen wurden theils von Herzogen, theilsvon Grafen regieret, die wegen der Macht, mit wel-chen sie die Angelegenheiten derselben wahrnahmen,lieber unabhängig seyn, als gehorchen wollten.Wünschte der MonarcheineArmee zuhaben: so hinger auf gewisse Weise von den Reichsstanden ab, weilsie aufgebothen wurden, und ihre Pasallen wieder auf-