Dritter Abschnitt. 675
biethen mußten. Die neuern Monarchien erhalten sichlanger und selbst unter mittelmaßigen Beherrschern,weil sie bestandig eigene und von allen andern Gliederndes Staats unabhängige Armeen haben, die durchsolche Gesetze regieret werden, daß sie nicht allein demThrone stets Unterthan bleiben, sondern auch alle übri-ge Unterthanen im Gehorsame erhalten müssen. Ei-ne solche Armee hatte Carl, der Große, nicht. Ermußte die höchste Gewalt mit dem Adel und mit derClerisey theilen, und doch hat niemand im Occidentevor ihm und nach ihm glücklicher und unumschränktergeherrscht?, als er. Und außer diesen Hinvernissen,welche sich feiner Herrschaft wiedersehten, hatte er dieFinsterniß und Barbaren seines Jahrhundertes zuüberwinden. Künste und Wissenschaften waren ganzunbekannt vor ihm, und gleichwohl waren unter sechs-hundert Jahren, die unter ihm und nach seinem To-de verflossen, seine Zeiten im Occidente die weisestenund gelehrtesten. Was seines Vaters und seine Er-oberungen betrifft: so kann man Pipinen mit demPhilippus von Macedonien vergleichen; er aber warAlexander: und was seine andern Eigenschaften undThaten betrifft, so war er mehr, als Ludwig der vier-zehnte; denn er that das selbst, was Ludwig durchColberte und Richelieue that. Man vergleicht großeMonarchen, wenn man sie loben will, mit dem Stif-ter der ersten römischen Monarchie, dem'August, weiler der Nachwelt von Horazcn und Virgilen angeprie-sen wurde. Die Vergleichung mit Carln würde ge-wöhnlicher und erhabener seyn, wenn er so große Gei-ster zu Lobrednern gehabt hatte, oder wenn man einenEginhard , die Chroniken der mittlern Zeiten, unddie Sammlung seiner Capitulare so gern, als einenSvetoniuö oder Dio läse.
Uu 2 Carl