Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
679
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Dritter Abschnitt. 679

Er wollte, daß nicht allein seine Unterthanen ge- 5/^»,fürchtet, sondern daß sie anch reich seyn sollten. D<n ^K»^her unternahm er es, Deutschland undAustrasicn mitder Zeit zum Mittelpunkte der Handlung von Asien und Europa zu machen. Er selbst verfertigte Rissevon Canälen, durch welche die Donau, der Rhein ,und die Rhone mit einander vereiniget werden sollten.Er sehte sich vor, neue Wege aus der Nordsee in dasschwarze Meer und aus beyden in das mittelländischeMeer zu eröffnen. Der Canal, durch welchen er denRhein und die Donau vereinigen wollte, sollte dreyhundert Fuß breit und so tief werden, daß er Krieges-schiffe tragen könnte. Weil aber der Boden, durch den ergezogen werden mußte, zu weich und sumpfig war,und man damals die heutigen Erfindungen nochnicht wußte, das Wasser ablaufen zu lassen, und dasErdreich haltbar zu machen: so mußte die Arbeit,nachdem sie schon drey tausend Schritte weit fortge-führet worden war, liegen bleiben. Wenn gleich ei-nige so wichtige Unternehmungen einen fruchtlosen Aus-ging hatten: so zeigen sie doch von der Größe seinesGeistes, und verdienen um so viel mehr bewundert zuwerden, weil die außerordentlichen Summen, die erdarauf verwandte, seinen Unterthanen nie zur tast ge-reichten, und die Vortheile nicht verminderten, die erihnen durch glücklichere Wege verschaffte. Die Reich-thümer, die er im Kriege erbeutete, trugen zwar sehrviel dazu bey, ihn in solchen Unternehmungen zu un-terstützen. Allein, seine Sorge für die Glückseligkeitseiner Unterthanen gieng doch so weit, daß sie dengrößten Antheil davon erhielten. Er wußte, daß einFürst niemals reicher ist, als wenn seine Unterthanenreich sind, und niemals mehr Herr über ihr Vermö-

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