Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
685
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Dritter Abschnitt. 685

gen Religion nicht gemäß waren. Man kann sagen,daß sie gezwungen wurden, einen Aberglauben mitdem andern zu vertauschen, weil man sie mit demSchwerdte zur Taufe nöthigte. Aber wer kann voneinem noch so großen Geiste, wenn er im achten Jahr-hunderte lebet, mit Recht verlangen, daß er in allenStücken so weise seyn soll, als es auch ein mittelmas-siger Geist im achczehenten Jahrhunderte seyn muß?

Nichts verdienet mehr die Bewunderung allerNachwelten, als seine Liebe gegen alle Wissenschaftenund mißlichen Künste. Die Wissenschaften waren seitden Unordnungen, welche durch die Überschwemmungder Barbaren im ganzen Occidente verursachet wordenwaren, aus ganz Germanien verbannet gewesen.Wie hatten sie blühen oder sich nur erhalten können,da die Völker bloß auf die Erhaltung ihres Lebensund die Beschützung ihrer Güter bedacht seyn konnten!Zuweilen stunden zwar einige Manner auf, diese Fin-sternisse, die alles bedeckten, zu zerstreuen. Allem,es waren nur überhingehende Bemühungen. DieGeistlichen waren schon sehr gelehrt, wenn sie lesenund schreiben konnten. Carl, der nach allem strebet?,was groß war, machte dieser allgemeinen Verwü-stung der Künste und Wissenschaften ein Ende. Ererweckte sie wieder in seinen Staaten. Er zog alle ge-schickte Manner, die er nur auftreiben konnte, insein Reich. Er überhaufete sie mit Belohnungen,und sein vertraulicher Umgang mit ihnen, erregcte dieBegierde und Lust zum Studieren. Er war auchhierinnen der erste, dervondem, was er befahl, an-dern ein Beyspiel gab. Sein Pallast wurde ein Tem-pel der Musen. Sprachkunst, Beredsamkeit, Poe-sie, Arithmetik und Astronomie waren seine liebsten

Wis-