Dritter Abschnitt. 691
Ludwig, ein Spiel seiner Leidenschaften und selbst H/o?,^.seiner Tugenden, ein Fürst, der niemals weder seine ^v.^L/.Stärke noch seine Schwache kannte, der wenig Gebre-^-^-Ze-chen des Herzens, dafür aber alle Gebrechendes Vcr-A/^"'"standes hatte, legte den Grund zum Untergange desfränkischen Reiches. Er erfüllte das Reich mit Un-ordnung und Verwirrung, weil er seine eigene Familienicht regieren konnte und mit Zwietracht und Unord-nung erfüllte. Die vornehmste Stütze einer Monar-chie, die, wie die fränkische, halb eine Aristokratie,halb eine Republik ist, obgleich einer nur die vor-nehmste und größte Macht darinnen besitzt, ist dieTreue der Unterthanen und ihre Ehrfurcht gegenPflicht lind Eid. Er that, was Carl, sein Vacer,wegen seines großen Charakters thun konnte, er a-ber seiner Schwäche halben nicht thuu sollte, er theiltesein Reich unter die Söhne seiner ersten Gcmahlinn,undbehielt sich nur das Recht der Oberherrschaft darübervor. Weil er aber nicht vorher sah, daß er sich nachdem Tode seiner ersten Gemahlinn mit einer herrsch-süchtigcn Judith vermählen würde: so wollte er,daß die gemachte Theilung unveränderlich seyn sollte.Darum beschwor er sie selbst, und ließ sie von seinenSöhnen, und allen Standen des Reichs beschwören. ,Judith gebahr ihm einen Sohn. Nunmehr wollteer die Theilung verändern, weil sie wollte. Dieseskonnte nicht geschehen, ohne den Rechten seiner andernKinder Eintrag zu thun. Sie waren der Herrschaftgewohnt worden; unter dem Vorwande, sich widerdie Ungerechtigkeiten einer Stiefmutter zu beschützen,welche ihren Vater verleitete, seinen Eid zu brechen,brachen sie den ihrigen, und empöretcn sich wider ihn,und suchten sich seiner Herrschaft ganz zu entziehen.Wein sollten die Unterthanen gehorchen. Der KaiserT,r 2 han-