Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
692
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692 Betracht, über die Weltgeschichte.

- handelte wider seinen Eid ; die Söhne wurden eben-falls eidbrüchig. Was war natürlicher, weil bald derKaiser, bald die Söhne die Hülfe der Stände nöthighatten, als daß jeder von ihnen diejenige Partey ergriffedie seinem Eigennütze am vortheilhaftesten war?

Ludwigs Bezeigen gegen die Clerisey war ein ebenso großer Staatsfehler, als der, daß er seinen Söhnenjtzt Königreiche gab, und bald darauf wieder nehmenwollte. Er veräußerte durch seine Freygebigkeit ge-gen sie, welche bis zur Verschwendung gieng, seineKrongüter, und schwächte dadurch seine Macht.Man sollte vielleicht glauben, daß er durch seine Mil-de gegen sie sich einen «nächtigen Schutz wider die Un-ternehmungen seiner Söhne erworben habe. Allein,seine Freygebigkeit war nicht Politik, sondern eineabergläubische Frömmigkeit. Gewann er sie durch sei-ne Geschenke: so machte er sich dieselben durch sei-ne strengen Gesetze, welche ihre Verbesserung zumEndzwecke Hütten, wieder von sich abwendig. Erwollte der Bischof der Bischöfe und der Abt der Aeb-te seyn; das wiegelte sie auf. Er verstund die Kunstgar nicht, die Clerisey zu bessern ; es muß ihr in ei-nem wohl eingerichteten Staate nie an den nöthigenEinkünften fehlen; aber sie muß nie eben so reich,oder reicher seyn, als der Monarch. Man sieht inseinem Leben, daß er keine größern Feinde hatte, alsdie Geistlichen. Seine Söhne thaten das, was eraus Aberglauben that, aus Politik. Sie nahmensich zwar in acht, die Clerisey reich zu machen; aber siemachten sie mächtig, damit ihre Rebellionen, wennsie von Bischöfen gebilliget würden, kein so schrecklichesAnsehen haben, und sie weniger unnatürlich zu verfah-ren scheinen möchten. Wie konnte sich ein aber-gläubischer Fürst bey seinem Ansehen erhalten, der von

dem