Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
695
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Dritter Abschnitt. 695

der Großen, als über die Könige. Keiner von diesendrey Königen drückte dieselbe mehr, als Carl, derKahle, es sey nun darum geschehen, weil sie seinetwe-gen Ludwigen, seinen Vater, vom Throne gestoßenhatte, oder darum, weil er zu furchtsam war. Erräumete ihr nicht mehr ein, als was er ihr unmöglichverweigern konnte. Wie konnte da die Monarchiesich unter der unaufhörlichen Zwietracht und Eisersuchtdieser beyden Stande gegen einander erhalten. Fastalle Capitularien dieser Zeit sind davon voll. Lud-wig bereicherte die Clerisey; seine Söhne machten siewieder arm. Oft plünderte eben die Hand, die neueAbley' n anlegete, die alten aus. Alles das vergrös-serte nicht die Macht der Krone, sondern die Gewaltdes Adels. Carl, der Kahle, und seine Nachfolgersahen diesen Fehler ein, und wollten ihn verbessern;allein, es war zu spat. Die Clerisey hatte das Anse-hen der Könige, und die Könige hatten die Machtder Clerisey entkräftet. Umsonst bedieneten sie sich derEhrfurcht, welche der große Haufe gegen ihre Wür-de hat; umsonst sucheten sie ihren Gesetzen durch dieKirchensaßungen ein Ansehen zu geben; umsonst wur-den die kirchlichen Strafen mit den bürgerlichen verei-niget; die Clerisey blieb unterdrücket, und mit ihr derMonarch. Wie verachtet muß seine Gewalt scyn,^/,.SA/«e,wenn Carl, der Kahle, in einem Capitulare klagen k-muß: Wenilo, den ich zum Erzbischofe gemacht ha-be, hat mich gesalbet und mir die Krone aufgesetzet.Niemand durfte mich also vom Throne verstoßen,zum wenigsten nicht ohne das Urtheil der Bischöfe,durch deren Dienst ich in das Königreich eingesetzetworden bin, welche die Thronen Gottes genannt wer-den, auf denen er sitzt, und durch die er richtet, de-ren väterlichen Bestrafungen und züchtigenden Urthci-

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