Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
698
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698 Betracht, über die Weltgeschichte.

sah er sich gezwungen, sie zu bestechen, weil es ihnennicht schwer werden konnte, Gründe zu finden , durchwelche sie seine meisten Kriege für angreifend erklärenkonnten. So sehr veränderte sich die innerliche Ver-fassung des Reiches. Die Bande, welche den Un-terthan mit dem Beherrscher vereinigten , wurden einsnach den andern zerrissen. Wie konnte die Monar-chie auswärtigen Feinden widerstehen , solchen Fein-den , als die Normannen und Saracenen waren?

Die Besitzer der Monarchie hatten nunmehr, dasie die Lchngütcr der Krone hatten erblich werden las-sen , nichts mehr zu verlieren, als die Würden derGrasen. Carl, der Kahle, machte die Zahl seinerSchwachheiten voll. Er verordnete, daß die Kinderder Grafen ihnen in ihrer Würde nachfolgen sollten.Nunmehr hatten die Könige schon wieder ein Mittelweniger, die Treue derer , die ihre Partey nehmenwollten, zu belohnen. Was ist ein König, der nichtbelohnen kann? Seit dieser Verordnung war der Un-tergang des carolinischen Hauses unvermeidlich. Dennso lange die Würden der Grafen noch nicht erblich wa-ren : so lange stunden diejenigen , über welche sie ge-setzt waren, unmittelbar unter der Monarchie. Nun-mehr kam ihr Gehorsam auf den Gehorsam ihrer Gra-fen an. Nunmehr hatten die Monarchen, anstattunzählbarer Vasallen, die sie vordem gehabt hatten,nur wenige, aber so machtige Vasallen, von denendie übrigen abhingen, daß sie nur alsdann gehorche-ten, wenn ihr Gehorsam ihre Macht noch mehr ver-größerte. Man wird sich nunmehr nicht wundern,daß sich , nachdem die königliche Gewalt so sehr ent-kräftet worden war, die meisten italienischen Fürsten ,und die Herzoge von Burgund und Provence ganz un-abhängig machten.

Carls,