Dritter Abschnitt. 699
Carls , des Kahlen, Nachkommen waren so ohn-mächtig, daß sie die kaiserliche Würde nicht behauptenkonnten, sondern dieselbe erst den natürliche», KindernLudwigs, des deutschen , hernach italienischen Fürsien,und endlich deutschen Herzogen überlassen mußten.Das deutsche Reich , dieser wichtige Theil der fran-kischen Monarchie, blieb noch mehr einem monarchi-schen St.-are ähnlich, als Frankreich . Die BeHerr»scher desselben hatten größere Charaktere, als die Kö-nige von Frankreich . Dieser unglückliche Sraat, wel-chen seine innern Unruhen allein genug verwüsteten,war den unaufhörlichen Strcifereyen der Normannenausgesetzt. Carl, der Kahle, hatte keine andere Lei-denschaft , als den Haß gegen seine Anverwandten.Diese bekriegte er und ließ die Barbarei» seine Staa-ten ungestraft ausplündern. Sie wurden auch somächtig, daß sie die Normandie mit Bretagne vomReiche abrissen. Deutschland war nicht so reich; die-se räuberischen Nationen fanden nicht so viele Städtedarinnen zu verheeren; sie mußten durch mehr Morä-ste , und durch mehr Walder dringen. Also wurdees nicht so zernichtet, als Gallien . Die deutfthen Kö-nige und Kaiser hingen weniger von ihren Vasallenab, weil sie ihre Hülfe seltener brauchten. Sie wür-den vielleicht nach und nach zu einer unumschränktenHerrschaft wieder gelanget seyn, wofem sie nicht nachder damaligen Verfassung nöthig gehabt hatten, sichin Rom krönen zu lassen, und beständige Fcldzügenach Italien <u thun. Untcrdeß waren sie, ungeachtetihrer großen Vasallen, mächtig und gefürchtet, so lan-ge es Heinriche und Ottoncn waren.
Nicht lange nach dem Verluste des Kaiserthumcsverlor die carolinische Familie auch die königliche Wür-de. Sie konnte die wenigen Städte, die unmittelbar
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