Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
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?OO Betracht, über die Weltgeschichte.

von ihrer Bothmäßigkeit abhingen, nicht wider dieUnternehmungen ihrer Vasallen vertheidigen. Siehatte keine Unterthanen, sondern hatte über Fürsten zugebieten, die ihren eigentlichen Unterthanen Gesetzegaben. Sie gehorcheten nicht mehr, und diesen Un-gehorsam unterstützten sie durch den Ungehorsam ihrerUntervasallen. Unterdeß brauchte das unglücklicheFrankreich einen Beherrscher, der mächtig genug war,das, was die Normannen entweder noch nichtbesaßen,oder noch nicht verwüstet hatten, wider ihre zeirhcrungeahndeten Anfälle zu beschützen. Orleans undParis hielten ihre Streisereycn auf der Seine und Loi-re auf. Hugo Capet besaß diese Städte, und war al-so der mächtigste Lehnsherr eines Königes, der keineGewalt hatte. Die französischen Stände trugen ihmdaher eine Krone auf, die er allein vertheidigen konn-te. So hat man in den neuern Zeiten demjenigenHause die kaiserliche Würde geben müssen, welchesallein mächtig genug war, die Türken an der Erwei-terung ihrer Gränzen zu hindern. -

Dieß sind die vornehmsten Ursachen, welche dieZergliederung und den Untergang der fränkischen Mo-narchie nach sich zogen, so die Nacbkommrn desgrößten Kaisers erst der kaiserlichen Würde und her-nach der königlichen Gewalt beraubetcn. Ein Staatmuß zernichtet werden, welchen Fürsten regieren, die sichselbst nicht zu beherrschen wissen, die unfähig sind, ihreLänder zu beschützen, und doch Eroberer seyn wollen.Dieses ist der wahre Charakter der meisten Nachkom-men Carls des Großen. So fromm als Ludwig war,sy lehrete er doch seine Unterthanen und seine Kindermeineidig werden. Lothar wollte seine Brüder, undCarl, der Kahle, seiner Brüder Söhne unterdrücken.Diesen Beyspielen folgeten die Unterthanen und lernc-

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